veröffentlicht am: 30.10.2000 von admin

Ars Saltandi zeigt surrealistische Komödie im AudiMax

Der Wecker klingelt und zum oft wiederholten Male fragt man sich entnervt: “muss ich wirklich schon wieder zur Arbeit? Da komme ich doch eigentlich gerade erst her…”. Dieselben allmorgendlichen Abläufe, derselbe Weg zur Arbeit, dieselben Kollegen, derselbe Arbeitsalltag, derselbe Streß…

Im EXPO-Jahr 2000 hat sich Hildesheims Modern Dance Company ARS SALTANDI unter der Leitung von Katrin Brüning der ernsthaften bis humorvollen Auseinandersetzung des Themas “Arbeit” angenommen. Dabei wird der alltägliche Arbeitsablauf von der morgendlichen Hektik im Bad über den Weg zum Arbeitsplatz, der Begrüßung der Kollegen, Szenen in der Kantine, den Tätigkeiten im Büro und auf der Baustelle bis hin zum Feierabend dargestellt. Mit vielfältigen tänzerischen und theatralischen Mitteln werden die Stereotype des Arbeitsalltages entlarvt, die in ihrer letzten Konsequenz an dem Satz “Wir arbeiten, um zu leben” ernsthafte Zweifel aufkommen lassen. So wiederholt sich im zweiten Akt wie in einem Spiegelbild der gleiche Ablauf wie im ersten. Doch bald bemerkt man, dass es sich dabei um einen Zerrspiegel handeln muss. Während der erste Akt streng realistisch einzelne Dialoge und Tänze präsentiert, entführt der zweite Akt das Publikum nach kafkaesker Manier in eine surrealistische Welt, in der das Innere nach Außen gekehrt wird. Die Zähne, die man sich morgens noch in aller Hektik geputzt hat, verselbständigen sich plötzlich als überdimensionales tanzendes Gebiß; die eigentlich so vertraute Kollegin sieht plötzlich ganz anders aus; Dialoge werden nicht miteinander geführt, sondern laufen aneinander vorbei; Mobbing macht sich auch in der äußeren Erscheinung bemerkbar; die Diktate des Chefs hängen als Bandsalat um den eigenen Körper…

In ihrer 6. großen Eigen-Produktion “Work-Out!” beschäftigt sich ARS SALTANDI mit einem zentralen Begriff der Gesellschaft. Arbeit – das uralte und gleichzeitig aktuelle Thema, das für fast alle Menschen tagein, tagaus das Leben bestimmt – wird in dieser experimentell-avantgardistischen Komödie mit der kompletten Bandbreite an künstlerischen Mitteln, die ARS SALTANDI zur Verfügung stehen, aufgegriffen, analysiert und auf der Bühne dargestellt. Ungewöhnliche Ideen und der Einsatz neuer Techniken wie Sound-Collagen, Eigenkompositionen, Live-Gesang und vielfältige andere theatralische Gestaltungselemente verhelfen ARS SALTANDI zu einem abgerundeten Gesamtkonzept. Ergänzt wird die Inszenierung auf der Bühne durch eine Fotoausstellung im Foyer und eine furiose Feuershow, die im Innenhof der Universität nach der Vorstellung stattfindet. Im Mittelpunkt steht jedoch der Modern Dance, der auf Grundlage der Techniken nach José Limón von Katrin Brüning seit Gründung der Company 1994 zu einem eigenständigen, aus allen Facetten der modernen Bewegungs- und Theaterform bestehenden Tanzstil weiterentwickelt wurde. Hierbei wechseln sich temperamentvoll-bizarre und fließend-harmonische Passagen ab.

Von der Idee bis zur Bühnendarstellung, von den Texten, der Kulisse, den Kostümen bis zur Choreographie, ist bei ARS SALTANDI wie immer alles self-made. Dieses vielseitige, persönliche Engagement garantiert ein “Feuerwerk an Kreativität”, so dass den Zuschauer ein fesselndes Kulturereignis erwartet.

Premiere ist am 11. November 2000 im AudiMax der Universität Hildesheim, weitere Vorstellungen am 17. und 18. November. Veranstalter ist das Studentenwerk OstNiedersachsen. Karten können im Vorverkauf bei der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung und beim Kulturbüro des Studentenwerks, Wallstraße 3-5, bezogen werden.