veröffentlicht am: 17.09.2001 von admin

Ausstellung “Erdbilder”

Die gestalterische Auseinandersetzung mit dem Material Erde ist das Thema eines hochschulübergreifenden Projektzyklus, veranstaltet von der kultur.werkstatt. des Studentenwerks OstNiedersachsen.
Studentinnen und Studenten der FH und der Universität Lüneburg arbeiten seit dem Sommersemester 2000 unter Leitung von Claudia Jonischkies, Kulturreferentin des Studentenwerks, an einem für künstlerisches Arbeiten eher ungewöhnlichen Ort: einer Kieskuhle nahe Lüneburg.
Für die Studentinnen und Studenten bietet sich hier ein Einblick in die farbliche Vielfalt der unterschiedlichen Erdschichten. Eine Möglichkeit für die Studierenden, Erde nicht nur von ihrer Oberfläche zu erfahren, sondern auch in ihrem Querschnitt zu erforschen.

Die Ausstellung im Foyer der Bibliothek der Universität Lüneburg präsentiert Arbeiten aus drei Workshops und gibt einen Einblick in die vielfältigen Formen einer sehr direkten, körperlich sinnlichen Annäherung an das Material Erde:
16 großformatige auf Stoff gemalte Erdbilder und eine Installation aus 91 einzelnen Erdbildern zusammengesetzt bilden den Schwerpunkt der Ausstellung. Dazu 11 Erdprofile, die die Erdschichten in fein strukturierten Linien und Farbabstufungen ganz direkt wiedergeben.
Ergänzend ein Ausschnitt der fotografischen Dokumentation: die Kieskuhle als Skulpturenlandschaft. Vorgefundene Strukturen, wie Sandflächen, Sandberge, Steinhaufen, Erdwälle ästhetisch begriffen, zu Skulpturen in der Landschaft umgestaltet. Oder Spuren im Sand, Platzstrukturen ausgetrockneter Lehmpfützen, die sich neu findende Vegetation auf Sandflächen.

Im Mittelpunkt der Workshops steht für die Studentinnen und Studenten, individuelle Erfahrungen mit dem Material Erde in experimentell gestalterischen Prozessen zu verarbeiten. Eine ganz besondere Aufgabe für die Studierenden aus unterschiedlichen Studiengängen, Sozialwesen, Lehramt und Bauingenieurwesen. Das Ziel ist, zu sensibilisieren für die Wechselbeziehung Mensch – Natur – Umwelt, in gestalterischen Prozessen die eigene Wahrnehmung zu erweitern.
Das heißt, das Material selbst in den Vordergrund zu stellen, sich auf seine Besonderheiten einzulassen. Erdproben in der Kieskuhle sammeln. Farben aus Erde, Sand und Lehm mit unterschiedlichen Bindemitteln anmischen, z.B. auch nach alten Rezepten mit Quark und Pottasche. Dann Erdbilder malen, die die überraschende farbliche Vielfalt von hellem Gelb über leuchtendes Rot, Ocker bis zu tiefem Braun der verschiedenen Sand-, Lehm- und Erdqualitäten widerspiegelt. Oder gestalterisches Arbeiten in der Kieskuhle selbst: aus Sandbergen werden Skulpturen in der Landschaft, Erdspalten graben, Materialien sammeln und anordnen.

Eine ganz besondere Methode, das Erstellen von “Erdprofilen”. Auf Einladung von Claudia Jonischkies konnten für diesen Workshop zwei Fachleute gewonnen werden: Herr Peter Laging, Schulzentrum Scharnebeck und Herr Hans-Jürgen Lierl vom Geologisch – Paläontologischen Institut der Universität Hamburg. Zu Gast war Herr Prof. Dr. phil Arnold Schultze der Universität Lüneburg. Neben bemerkenswerten Einblicken in erdgeschichtliche Zusammenhänge vermittelten Herr Laging und Herr Lierl der Gruppe von Studierenden das Anfertigen von “Lackprofilen”, einem besonderen Verfahren aus der Geologie, das es ermöglicht, Erdschichten unmittelbar in “Bildern” festzuhalten. Naturwissenschaftliche Techniken der Dokumentation hier unter ästhetisch künstlerischem Blickwinkel.

Im Wintersemester wird der Workshopzyklus mit einer Veranstaltung zum Thema “Material: Lehm” fortgesetzt.

Die Ausstellung ist im Foyer der Bibliothek, Campus Universität Lüneburg vom 17. September bis zum 21. November während der Öffnungszeiten der Bibliothek zu sehen. Führungen durch die Ausstellung nach Absprache.