veröffentlicht am: 14.05.2001 von admin

Großer Bedarf an studentischem Wohnraum in Nordost-Niedersachsen

Die Geschäftszahlen, die das Studentenwerk OstNiedersachsen jetzt für das Jahr 2000 vorgelegt hat, sind überwiegend sehr erfreulich. Das Geschäftsvolumen belief sich auf ca. 37,7 Millionen Mark. In den Mensen, die das Studentenwerk an fünf verschiedenen Standorten in der Region betreibt, wurden im vergangenen Jahr knapp 2,7 Millionen Essen ausgegeben. Die Nachfrage bei den Kindertagesstätten, den verschiedenen Beratungsstellen und den Kulturbüros war unverändert hoch. Auffällig ist daher vor allem, dass für die 22 Wohnheime mit insgesamt 3378 Plätzen 15 Prozent mehr Anträge verzeichnet wurden als noch im Jahr 1999. Gleichzeitig stieg auch die Nachfrage bei der privaten Zimmervermittlung.

Das Problem besteht darin, dass in der Region Nordost-Niedersachsen nach wie vor mehr als 88 Prozent der Studierenden nicht die Möglichkeit haben, öffentlich geförderten und daher in der Regel günstigeren Wohnraum in Anspruch zu nehmen. Es gibt ihn einfach nicht, und der vollständige Wegfall von Landeszuschüssen im Bereich des studentischen Wohnheimbaus verhindert, dass sich diese Quote in absehbarer Zeit verbessert.

Während Landes- und Bundesregierung kürzere Studienzeiten und eine Internationalisierung der Hochschulen fordern, wird gleichzeitig für die soziale Versorgung der Studierenden immer weniger getan. Dieses Verhalten sei widersprüchlich, so der Geschäftsführer des Studentenwerks, Reginald Rüter: “Die schlechter werdende soziale Versorgung führt dazu, dass die Zahl der Studierenden, die neben dem Studium arbeiten, weiter steigen wird. Besonders gravierend sind die Folgen für Studierende aus einkommensschwachen Familien.” Dazu gehören auch viele ausländische Studierende in Deutschland: Von diesen müssen 75 Prozent ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. Unter den Mietern des Studentenwerks stellen sie schon jetzt einen überproportional große Gruppe, und es ist abzusehen, dass die Zahl der Interessenten im Zuge der angestrebten Internationalisierung weiter steigen wird. Das Fehlen erschwinglichen Wohnraums könnte so zukünftig für ausländische Studierende zu einem Ausschlusskriterium bei der Wahl des Studienortes werden. Es trägt jetzt schon indirekt dazu bei, dass sich Abiturienten gegen eine Studium entscheiden. Wie Untersuchungen zeigen, ist das finanzielle Risiko eines Studiums vielen zu hoch. Die später vielleicht etwas höheren Gehaltsaussichten schaffen da genauso wenig einen ausreichenden Ausgleich wie die kürzlich beschlossene BAföG-Erhöhung. Auch diese greife zu kurz, so Rüter. Sie könne weder dazu beitragen, dass Studierende auf den Nebenjob verzichten können, noch bewege sie Abiturienten aus einkommensschwachen Familien wirklich dazu, ein Studium aufzunehmen: “Wenn die Politik es ernst damit meint, mehr deutsche und ausländische Studierende zu einem Studium an unseren Hochschulen zu bewegen, dann muss auch die soziale Versorgung dieser Studierenden finanziert werden.”