veröffentlicht am: 29.04.2002 von admin

26 Jahre, 7. Semester, aus guten Verhältnissen

Kürzlich wurden die Ergebnisse der 16. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks veröffentlicht. Bei einer Sonderauszählung für den Versorgungsbereich des Studentenwerks OstNiedersachsen – das sind die Hochschulstandorte Braunschweig, Lüneburg, Suderburg, Buxtehude, Hildesheim, Holzminden, Wolfenbüttel, Wolfsburg und Salzgitter – zeigte sich, dass die Studierenden dieser Region sich in einigen Punkten von ihren Kommilitonen im Rest der Republik unterscheiden.
Sie sind mit durchschnittlich 26,1 Jahren schon älter (Bund: 24,7), studieren dafür aber schneller. Nur 7,4 % befinden sich schon im 13. oder in einem höheren Semester (Bund: 9,6 %). Zwar geht auch in Nordostniedersachsen der Anteil der Studierenden zurück, die aus mittleren oder unteren sozialen Schichten kommen, er liegt aber mit 48,2 % weiterhin deutlich höher als auf Bundesebene. In ganz Deutschland kommen insgesamt nur 40,7 % der Studierenden nicht aus gehobenen oder hohen sozialen Verhältnissen. Ebenfalls im Unterschied zum bundesweiten Durchschnitt haben die Studierenden der Region nicht in Abhängigkeit von ihrer Herkunft verschieden viel Geld, das sie ausgeben können. Über die Arbeit neben dem Studium und z.T. das BAföG wird ausgeglichen, dass einige Eltern weniger zahlen können als andere, so dass letztlich alle Studierende monatlich über etwa gleich viel Geld verfügen können.
Es erstaunt daher nicht, dass rund zwei Drittel der Studierenden neben dem Studium jobben, und zwar durchschnittlich knapp 15 Stunden in der Woche. 1997 waren es noch 8,4 Stunden und damit nur gut halb so viel. Mit einem Durchschnittslohn von zum Zeitpunkt der Erhebung 16,90 DM pro Stunde verdienten Studierende im Bereich des Studentenwerks OstNiedersachsen übrigens ca. eine Mark weniger als im Bundesschnitt.
Offensichtlich fühlen sich die Studierenden aber wohl in Nordostniedersachsen, jedenfalls zieht es sie deutlich weniger in die weite Welt als ihre Kommilitonen aus anderen Teilen Deutschlands. Nur 19,4 % haben einen Auslandsaufenthalt hinter sich, auf Bundesebene sind dies 29 %. Wer sich trotzdem zu einem Semester oder einem Jahr in einem anderen Land entschließt, will dort in der Regel an einer Hochschule studieren. Nicht so die Studierenden aus Nordostniedersachsen: Sie wollen vor allem Berufserfahrung sammeln. Während im Bundesschnitt weniger als jeder Zweite für ein Praktikum ins Ausland geht, sind es aus der Region fast zwei Drittel der Studierenden.