veröffentlicht am: 9.12.2004 von admin

Tanz sehen – Selber tanzen

Unter dem Motto “Tanz sehen – selber tanzen” veranstalten tanzbegeisterte Studierende, das Kulturbüro des Studentenwerks OstNiedersachsen und die Kulturfabrik Löseke am 20. Januar einen Abend in zwei Teilen in der Kulturfabrik. Hildesheimer Studentinnen sowie Gäste aus der regionalen und überregionalen Tanzszene zeigen neue Inszenierungen, Tanzstücke und Improvisationen während im zweiten Teil des Abends das Publikum nach “Tanz sehen” die Gelegenheit bekommt, selber zu tanzen. Die Veranstaltung bildet gleichzeitig den Auftakt für eine neue studentische Veranstaltungsreihe des Studentenwerks und der Kulturfabrik. Ab April 2005, zum Beginn des Sommersemesters, haben Kulturgruppen aller Genres an jedem 3. Donnerstag im Monat die Gelegenheit, ihre Vielfalt und ihren Ideenreichtum in größerem Rahmen öffentlich vorzustellen.
Mit “Tanz sehen – selber tanzen” möchten die Initiatorinnen eine Plattform schaffen, um das kreative Potential der ortsansässigen Tanzschaffenden im semiprofessionellen Bereich zu bündeln und einer breiten, nicht nur hochschulinternen Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei geht es eher darum, der Veranstaltung den Charakter von Spiel und Improvisation zu geben, statt eine perfekte Inszenierung auf die Bühne zu bringen. Zu sehen sein werden unabhängig voneinander entstandene Arbeiten von Modern Dance über New Dance bis Butoh, von der Live-Aufführung bis zum experimentellen Tanzvideo.
Die Tänzerinnen Nina Velmer, Isabelle Stolzenburg und Ulrike Flämig von “verstärker” beispielsweise malen in ihrer Performance “malsomalso” starke Körperbilder über Zerbrechlichkeit. Uta Birkenberg alias Solo 1 zeigt mit dem Stück “Spit-wave-verharren” ihre Interpretation von Butoh, die sie während der Arbeit mit der Butohtänzerin Yumiko Yoshiaka entwickelt hat. Sylvi Dümichen aus Passau und Claudia Garbe alias Fleuch streifen mit “7 1/8″ die Unvollkommenheit der eigenen Möglichkeiten. Elisabeth Giers schlägt mit “Klammer auf – Klammer zu” den interdisziplinären Bogen zum Tanzvideo, einer Choreographie, die allein für den Kamerablick bestimmt ist. Mirjam Doros zeigt sich mit “open up” nach einer längeren Pause wieder der Öffentlichkeit. In “Lorsque j’étais petite” improvisiert Gaelle Morello über Erinnerungen aus der Kindheit. Und Polina Ogryzkova setzt gemeinsam mit dem Musiker Lukasz Crzechnik das Gemälde “Improvisation No. 21″ von Wassily Kandinsky in Bewegung um.
Die Arbeit der jungen Choreografinnen und Tänzerinnen ist inspiriert durch Auslandsaufenthalte und Tanzerfahrungen bei namhaften Ausbildungsstätten – sei es die School of New Dance and Development Amsterdam, die Hogeschool vor de Kunsten in Utrecht, der Workshop “Physical Cinema” in San Quirico di Orcia, das tut Hannover, die Tanzfabrik Berlin oder bewegungs-art Freiburg. Der Aufbau und Zusammenschluß des Hildesheimer Tanznetzwerks ermöglicht den Macherinnen mit ihren sehr unterschiedlichen stilistischen und inhaltlichen Ansätzen nun außerdem eine sehr direkte Form des Austauschs und der gegenseitigen Inspiration. Parallel zu den Vorbereitungen von “Tanz sehen – selber tanzen” ist beispielsweise das offene Tanztraining im Trillkegut entstanden, angeleitet von Regina Poulheim, die am 20.1. mit der Improvisation “Provisorium” zu sehen sein wird.
Genauso wichtig ist den Veranstaltern auch der zweite Teil des Abends, in dem das Publikum “selber tanzen” soll. Mit DJ Claas wurde dazu ein Hildesheimer DJ engagiert, der sich großer Beliebtheit erfreut und gleichzeitig als DJ dba mit Klang und Bewegung experimentiert. Die Grenzen zwischen Bühnentanz und Clubculture, zwischen Akteuren und Publikum sollen aufgeweicht und im gemeinsamen Tanz als Akt der Lebensfreude zusammengeführt werden.
Möglicherweise ist die Veranstaltung “Tanz sehen – selber tanzen” nicht nur der Auftakt für eine genreunabhängige studentische Veranstaltungsreihe. Laut Initiatorin Ulrike Flämig und Organisatorin Simone Brandenberg könnte die hohe Motivation und Begeisterung der hiesigen Tanzszene der Anfang einer spannenden Entwicklung sein.