veröffentlicht am: 20.06.2007 von admin

Soziale Herkunft entscheidet über Bildungsweg

Der Trend, dass Hochschulbildung verstärkt eine Angelegenheit für Kinder aus höher oder hoch gestellten Herkunftsfamilien ist, hat sich fortgesetzt. Das ist das zentrale Ergebnis der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden.
In Deutschland entscheidet immer mehr die soziale Herkunft maßgeblich über den Bildungsweg. Kinder von Akademikern haben eine fast doppelt so große Chance, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen, im Vergleich zu denen, deren Vater nicht studiert hat (88% vs. 46%). Die Klassenstufen 11- 13 erreicht zu haben, ist dann für fast alle Kinder aus dieser Gruppe gleichbedeutend mit der Studienaufnahme. Von 100 Akademiker-Kindern beginnen schließlich 83 ein Studium, aber nur 23 von 100 Kindern aus Familien ohne akademische Tradition.
Bei den StudienanfängerInnen des Studienjahrs 2005/2006 kamen nur 20% aus Arbeiterfamilien, obwohl sie in ihrer Altersgruppe einen Anteil von 41% ausmachten. Dagegen haben 17% der Beamtenkinder ein Studium aufgenommen, in der Bevölkerung nehmen sie aber nur 9% ein. Die Kinder von Selbständigen erzielten mit 20% einen Anteil unter den Erstsemestern, der anderthalb mal so groß ist wie ihr Anteil in ihrer Altersgruppe (13%). Angestelltenkinder sind ebenfalls leicht überrepräsentiert (43% zu 37%). „Gegen diese ungleiche Verteilung der Bildungschancen müssen wir dringend etwas tun“, fordert Sönke Nimz, Geschäftsführer des Studentenwerks OstNiedersachsen. „Mehr Chancengleichheit erreichen wir nur über eine breite Förderung aller Bildungsschichten. Dafür ist eine verlässliche und ausreichende Studienfinanzierung nötig.“

Das monatliche Einkommen der Studierenden des Jahres 2006 lag im Durchschnitt bei 770 Euro. Im Vergleich zu 2003 (767 Euro) haben sich die Einnahmen also kaum verändert. Berücksichtigt man den Verbraucherpreisindex, fällt die Kaufkraft der durchschnittlichen Einnahmen sogar noch um knapp 5 % geringer aus.
Die Spannweite der monatlich zur Verfügung stehenden Einnahmen ist dabei beträchtlich. 3% der Studierenden muss mit weniger als 400 Euro im Monat auskommen, während andererseits 4% der Studierenden mit Einnahmen von mehr als 1.300 Euro rechnen können. Jeder fünfte liegt mit seinem Monatsbudget unter dem BAföG-Höchstsatz von 585 Euro, jeder Dritte unter dem Betrag von 640 Euro, den die Familiengerichte als Orientierungswert für den Elternunterhalt festgelegt haben.
Ein Großteil der Studierenden (90%) wird nach wie vor von den Eltern finanziell unterstützt. Im Durchschnitt erhalten sie monatlich 448 Euro. Dieser Betrag liegt nominal um 3% höher als 2003 (435 Euro). 60% der Studierenden arbeiten parallel und finanzieren ihr Studium selbst durch eigenen Verdienst. Im Schnitt werden dabei 308 Euro pro Monat verdient.

Eine Förderung nach dem BAföG wird von knapp 29% der Studierenden in Anspruch genommen Der Anteil der Geförderten hat sich gegenüber 2003 um rund einen Prozentpunkt erhöht. Auch der durchschnittliche Förderungsbetrag ist leicht angestiegen (von 367 Euro auf 376 Euro). 2% der Studierenden stehen außer dem BAföG keine weiteren Barmittel zur Verfügung. Der Förderungsbetrag, der diesen Studierenden bewilligt wird, beläuft sich auf durchschnittlich 485 Euro pro Monat. Allerdings werden diese Studierenden außerdem durch die Eltern unterstützt, indem diese die Begleichung eines Teils der Lebenshaltungskosten (z. B. Zahlung der Miete) direkt übernehmen. Werden diese Aufwendungen berücksichtigt, belaufen sich die monatlichen Einnahmen auf durchschnittlich 561 Euro.
Nur rund 60% der Studierenden gingen im Sommersemester 2006 davon aus, ihre Studienfinanzierung sei gesichert. 2003 waren es noch 5% mehr. Umgekehrt heißt das, dass rund 40% ihre Studienfinanzierung als unsicher ansehen. „Gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium sehen anders aus“, so der Kommentar von Sönke Nimz. „Die Bundesregierung muss in Sachen BAföG endlich handeln, die Freibeträge deutlich anheben und die Bedarfssätze um mindestens 10% erhöhen.“

Das Budget, das den Studierenden heute zur Verfügung steht, wird am stärksten durch Miet- und Nebenkosten belastet. Im Durchschnitt werden rund 34% ihrer monatlichen Einnahmen für das Wohnen ausgegeben. Rund 40% der Studierenden haben eine Wohnung angemietet und bewohnen diese allein oder mit dem Partner bzw. der Partnerin. Knapp ein Viertel lebt in einer Wohngemeinschaft und ein nicht wesentlich geringerer Anteil in Höhe von 23% wohnt bei den Eltern. In einem Studentenwohnheim leben 11%, weniger als 2% wohnen zur Untermiete.
„Für den Studienerfolg ist eine leistungsfähige und soziale Infrastruktur sehr wichtig“, so Sönke Nimz, „das Studentenwerk OstNiedersachsen stellt diese zur Verfügung, muss vom Land Niedersachsen aber auch verlässlich mit finanziellen Mitteln ausgestattet werden“. Neben ausreichendem Wohnraum müsse vor allem verstärkt für Beratung im Bereich Studienfinanzierung gesorgt werden. „Interessant wird vor allem die nächste Sozialerhebung in drei Jahren“, kündigt Nimz an, „dann wird sich zeigen, welche Auswirkungen die Einführung der Studiengebühren auf die soziale und wirtschaftliche Lage der Studierenden hatte“.

Die 18. Sozialerhebung wurde im Auftrag des Deutschen Studentenwerks (DSW) vom HIS Hochschul-Informations-System im Sommersemester 2006 durchgeführt und mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und veröffentlicht. Die Sozialerhebung wird seit rund 50 Jahren im dreijährigen Abstand durchgeführt und bildet die soziale und wirtschaftliche Lage der Studierenden in Deutschland ab. Die Ergebnisse dieser Sozialerhebung basieren auf den Daten von umfangreichen Fragebögen die von rund 17.000 Studierenden aus 258 Hochschulen ausgefüllt wurden. Nähere Informationen unter www.sozialerhebung.de.