veröffentlicht am: 22.04.2009 von Christiane Thoroe

19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks startet

Geld, Gebühren, Bachelor: Wie leben Studierende heute?

 Anfang Mai startet das Deutsche Studentenwerk (DSW) mit der 19. Erhebung zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden in Deutschland. Dann werden rund 75.000 Fragebögen an zufällig ausgewählte Studierende im gesamten Bundesgebiet verschickt. Auch Studierende, die vom Studentenwerk OstNiedersachsen betreut werden, werden erneut befragt. Voraussetzung für einen Erfolg ist allerdings eine rege Beteiligung der Angeschriebenen. „Wir als Studentenwerk sind auf Informationen aus den Sozialerhebungen angewiesen, um unsere Angebote und Dienstleistungen an die Bedürfnisse der Studierenden anpassen zu können“, betont Sönke Nimz, Geschäftsführer des Studentenwerks OstNiedersachsen. „Je mehr Studierende sich an der Befragung beteiligen, desto besser können wir schließlich ihre Interessen vertreten.“

Die Ergebnisse der 19. Sozialerhebung sollen im März 2010 veröffentlicht werden. Grosses Interesse werden sicher die Themen Studiengebühren und Bachelor hervorrufen: Wie sehr belasten die Studiengebühren, die derzeit sechs Bundesländer erheben, den studentischen Geldbeutel? Wie finanzieren die Studierenden die Gebühren? Im Jahr 2006, als die vergangene Befragung durchgeführt wurde, waren erst 11% der Studierenden in den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen eingeschrieben. Diesmal werden es sicher bedeutend mehr sein, und umso mehr Aufschluss erhofft man sich von der 19. Sozialerhebung gerade über die Situation von Bachelor-Studierenden: Wie sieht ihr Zeitbudget aus, lässt das straffe Studium wirklich kaum mehr zeitlichen Spielraum für Nebenjob oder Ehrenamt? Die Situation der Bachelor-Studierenden soll in einer gesonderten Auswertung Ende 2010 dargestellt werden.

Die erste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks von 1951 trug den Titel „Das soziale Bild der Studentenschaft in Westdeutschland und Berlin“. Damals wurden für Westdeutschland und Berlin insgesamt 108.000 Studierende gezählt, davon waren 83% Männer und 17% Frauen. Zum Vergleich: Im Wintersemester 2003/2004 waren bundesweit mehr als zwei Millionen Studierende eingeschrieben; der Frauenanteil beträgt inzwischen 47%, bei den Neuimmatrikulierten sind sogar die Hälfte Frauen.

Mit so wenig Geld wie 1951 könnte heute niemand mehr durchs Studium kommen. Bei bescheidener Lebensführung benötigten 47% der Studierenden damals nicht einmal 100 Mark. Rund ein Fünftel gab an, mit weniger als 50 Mark auskommen zu können! Schon damals halfen die Studentenwerke nach Kräften, dass Studieren mit so wenig Geld gelang. Heute verfügen Studierende im Durchschnitt über 770 Euro Einnahmen im Monat, das sind umgerechnet mehr als 1.500 Mark.

Deutliche Unterschiede gibt es auch bei der studentischen Erwerbstätigkeit. 1951 waren lediglich 11,7% der Studierenden laufend neben dem Studium erwerbstätig, doch das Jobben konzentrierte sich stark auf die Semesterferien. Anders die Situation heute: Nach der 18. Sozialerhebung jobben 63% der Studierenden überhaupt, 66% auch im Semester. Traditionell am meisten verbreitet sind nach wie vor klassische Aushilfstätigkeiten wie Kellnern, Taxifahren, Verkaufen, Hilfsjobs im Büro.

 

Die seit 1951 in regelmäßigen Zeitabständen durchgeführte Sozialerhebung zählt zu den wichtigsten bildungs- und hochschulpolitischen Planungs- und Entscheidungsgrund­lagen in Deutschland. Durchgeführt wird die Untersuchung vom Hochschul-Informations-System (HIS), finanziert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Weitere Informationen sind unter www.sozialerhebung.de zu finden.