veröffentlicht am: 19.11.2010 von Carena Giesemann

Ausstellung in Lüneburg: “…so geht revolution”

 

Werbung & Revolte – ein Ausstellungsprojekt in progress

Ausstellung des Kulturbüros des Studentenwerks im Bibliotheksfoyer der Leuphana Universität Lüneburg.

Plakat Revolution

„Joint the Revolution! Viva la libertad! I fight for my rights! Radikalisiert das Leben!“ Auf den ersten Blick Parolen linken oder antikapitalistischen Protests  – aber nur auf den ersten Blick, denn all diese Parolen erscheinen als Botschaften in der kommerziellen Konsumwerbung.

Die Ausstellung „… so geht revolution – Werbung & Revolte“ gibt einen Einblick in die Sammlung des Ludwigsburger Kulturwissenschaftlers Rudi Maier, der von 1967 bis heute über 3000 Werbeanzeigen und Werbeplakate zusammengetragen hat.
Einen Ausschnitt aus dieser umfangreichen Sammlung zeigt die eigens für die Lüneburger Universität mit Studierenden im Seminar „Dokumentation – Präsentation – Ausstellung“ unter Leitung von Claudia Jonischkies zusammengestellte Präsentation mit über 100 in zeitlicher Abfolge gestaffelten Werbeplakaten und Werbeanzeigen.

Die Ausstellung dokumentiert, wie schon in den 60er Jahren die Werbeindustrie Bilder, Symbole und Parolen des alternativen und linken Protests für sich entdeckte und seither deren Ikonen, wie z. B. Karl Marx, Che Guevara, Mao, Gandhi etc. für eigene Zwecke nutzt.
Doch wie kommen Revolutionäre, wie kommt ihr Kampf gegen Staat und herrschende Ordnung in Werbeanzeigen? Warum liebäugelt die Werbung mit Protest, Revolutionen und Revolten?

Die Werbeplakate zeigen Bilder von Straßenschlachten, Friedensdemonstrationen, roten Fahnen, Hammer und Sichel oder die geballte Faust und spielen mit Assoziationen von Freiheit, Gerechtigkeit und Revolutionsromantik.
Mit Karl Marx läßt sich für Computer oder gar Kapitalanlagen werben, mit Che Guevara Bikinis verkaufen, die italienische Edeldesignmarke Prada wirbt mit „Prada Meinhof“ für ihre Produkte und macht aus einer Terroristin der Roten Armee Fraktion eine Werbe-Ikone für Designermode. Und eine für Kartoffelbrei und Knödel bekannte Firma wirbt mit „Jede Revolution beginnt mit einem Auflauf.“

Die Werbeplakate geben unter kulturgeschichtlichem Blickwinkel verblüffende Einblicke in Strategien der Werbeindustrie und die Mechanismen unserer  Konsumgesellschaft. Die Ausstellung zeigt, wie die Aufbruchsstimmung, wie die Dynamik von Alternativ- und Protestbewegungen mit ihren Symbolen, Leitfiguren und Werten von Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, wie die Rhetorik der Revolution von der Werbeindustrie aufgegriffen und für eigene Zwecke genutzt, umfunktioniert wird: das kapitalistische Wirtschaftssystem vereinnahmt in Gestalt seiner Werbung seine eigenen radikalen Gegner als Werbebotschafter.

Begleitend zur Ausstellung:

„Wer Politik machen will, muss (nicht) viel reden…“, Vortrag von Rudi Maier, Kulturwissenschaftler Ludwigsburg mit einer Einführung von Dr. Hanno Balz, Sozial- und Kulturgeschichte, Leuphana Universität Lüneburg und einem anschließenden Rundgang durch die Ausstellung.

Donnerstag, 25. November 18 Uhr, Leuphana Universität, Campus Geb. 9
Raum 102
Informationen hierzu: Dr. Hanno Balz, Tel: 04131 – 677 2713;
balz@leuphana.de

Die Ausstellung „… so geht revolution“ ist vom 16. November bis 14. Januar 2011 im Foyer der Bibliothek der Leuphana Universität Lüneburg zu
sehen. Mo bis Do 8.30 – 21.00 Uhr,  Fr 8.30 – 20.00 Uhr, Sa 10.00 – 18.00 Uhr

Kontakt und Informationen zur Ausstellung:
Kulturbüro des Studentenwerks,
Claudia Jonischkies, Tel: 04131- 78 96 321, kultur.lg@stw-on.de