veröffentlicht am: 27.06.2011 von Christiane Thoroe

Höherer Semesterbeitrag sichert Angebotsvielfalt

Das Studentenwerk hebt zum Wintersemester 2011/12 seine Beitragssätze deutlich an. Der Grund: Der Wegfall von Landesmitteln muss kompensiert werden. Ab Wintersemester zahlen Studierende an den Standorten Braunschweig, Clausthal, Hildesheim, Lüneburg, Suderburg und Wolfenbüttel 59 Euro pro Semester, in Holzminden 44 Euro und in Buxtehude und Wolfsburg aufgrund des geringeren Serviceangebots 15 Euro. Damit ist der durchschnittliche Semesterbeitrag im Studentenwerk OstNiedersachsen zukünftig ziemlich genau so hoch wie der durchschnittliche Beitrag in Niedersachsen und in Deutschland. Bislang war der Semesterbeitrag von 41 Euro der niedrigste in Niedersachsen und einer der niedrigsten bundesweit.

„Diese Maßnahmen dienen nicht dem weiteren Ausbau unserer Angebote“, erklärt SW-Geschäftsführer Sönke Nimz, „sondern vielmehr dem Erhalt unseres bestehenden Leistungsspektrums.“

Die Beitragserhöhung begründet er vor allem mit zwei Aspekten. So seien zum einen die Landesmittel in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurückgefahren worden, Zuwendungen für Sanierungsmaßnahmen in Mensen und Wohnheimen wurden sogar ganz gestrichen.

Zum anderen muss das Studentenwerk von 2012 an auf den Sockelbetrag für das ehemalige Studentenwerk Clausthal verzichten. Die beiden Studentenwerke wurden 2007 per Verordnung fusioniert, und das Land gewährte für fünf Jahre eine Übergangsfinanzierung. Diese läuft im nächsten Jahr aus, wodurch rund 350.000 Euro verloren gehen. „Darauf, dass dieser Wegfall nicht zu kompensieren sein wird, hat das Studentenwerk Braunschweig mehrfach hingewiesen, leider jedoch ohne Erfolg“, so Nimz.

„Hinzu kommt, dass wir in den nächsten zehn Jahren in unseren Wohnheimen einen Sanierungsbedarf von rund 50 Millionen Euro haben werden“, ergänzt der SW-Geschäftsführer. „Da alle Zuschüsse gestrichen wurden und wir die Kosten nicht auf die Mieten umlegen können, stehen wir großen Problemen gegenüber.“

Zum Hintergrund: Die Studentenwerke haben für den Bau, den Erwerb oder die Sanierung von Wohnheimen vor Jahren noch Zuschüsse erhalten. Um die Mieten niedrig zu halten, wurden diese Zuschüsse bei den Abschreibungen nicht berücksichtigt. Durch die jährlichen Abschreibungen könnten bei ausgeglichenen Jahresergebnissen und konstanten Preisen ausreichend Mittel angesammelt werden, um ein neues Wohnheim zu beschaffen bzw. das vorhandene von Grund auf zu sanieren. Solange es bei Bau, Erwerb oder Sanierung einen konstanten Anteil von Zuschüssen gibt, ist die Finanzierung und damit die praktizierte Vorgehensweise unproblematisch. Probleme gibt es dann, wenn alle Zuschüsse gestrichen werden – was 2003 der Fall war. Seitdem musste das Studentenwerk bereits Darlehen in Höhe von mehr als 33 Millionen Euro aufnehmen. Vorher betrug die Gesamtdarlehensbelastung weniger als 10 Millionen Euro.

Insgesamt bedeutet die Anhebung des Semesterbeitrags Mehreinnahmen von rund 1,3 Millionen Euro jährlich für das Studentenwerk. „Diese benötigen wir, um den Wegfall der Sonderzuwendung Clausthal zu kompensieren und um einen Eigenanteil in die Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen in den Wohnheimen einzubringen“, fasst Nimz zusammen, weist aber darauf hin, dass der Finanzbedarf im Bereich der Wohnheime eigentlich noch deutlich höher sei: „Einen Teil werden wir natürlich über Kredite finanzieren, wir bleiben aber auch im Gespräch mit dem Land. Ich sehe die Politik weiter in der Verpflichtung.“